In Lemgoer Rathaus formieren sich die Nationalpark-Gegner

Die Stadt Lemgo hat mit den Stimmen einer großen Koalition von CDU,SPD und FDP sowie einer BfL-Stimme mal wieder mit beengtem Blick eine Spar-Erklärung verabschiedet. In der jüngsten Hauptausschusssitzung wurde beschlossen, Lemgo solle sich gegen den Nationalpark Teutoburger Wald aussprechen. Dafür dürfe kein Geld ausgegeben werden, argumentieren die Lemgoer Politiker – natürlich ohne Angaben machen zu können oder zu wollen über tatsächlich notwendige Investitionen und ihre Finanzierung oder über den wirtschaftlichen Nutzen z.B. für die Tourismusbranche.

Etwas unangenehm wird die Begründung dieses Antrags, wenn behauptet wird, man handele damit im Interesse nachfolgender Generationen. Es wird schlicht abgestritten, dass ein Nationalpark im Interesse kommender Generationen sein könnte. Vermeidung von sinnvollen und zukunftsträchtigen Investitionen soll im Interesse kommender Generationen sein? Herr Golabeck (SPD-Fraktionsvorsitzender): Machen Sie sich doch nicht lächerlich!

Die Gegenargumente in der Hauptausschusssitzung formulierte Dr. Burkhard Pohl (GRÜNE). Er verwies auch darauf, dass in einer ersten Informationsaktion in der Lemgoer Innenstadt bereits 200 Unterschriften Pro-Nationalpark gesammelt worden sind.
Hier sein Redemanuskript.

Recht hat auch der LZ-Leserbriefschreiber vom Wochenende, der deutlich macht, dass sich manches Lebenswichtige nicht in konkreten Euro-Bilanzen berechnen lässt. Wie sollen objektiv messbare Werte berechnet werden für die Artenvielfalt oder für Naturerlebnisse? Deshalb wird auch jeder Volkswirtschaftsprofessor zugeben, dass ökonomische Berechnungen in solchen Fragen zu kurz greifen.

Die Nationalparkgegner wollen offensichtlich keine Informationsoffensive vor der endgültigen Entscheidung über einen Nationalpark. Es interessiert sie nicht, dass die lippische Waldfläche in den vergangenen 20 Jahren um fast 6.000 ha zugenommen hat und dass die Nationalparkfläche ziemlich genau eine solche Größe hätte – bei insgesamt 109.000 ha Waldfläche.

Die Lemgoer Ratsvertreter sagen sich zudem “Was interessiert mich das Geschwätz meiner Partei von gestern und anderswo”. Vor kurzem hing im SPD-Büro in der Breiten Straße noch der Slogan “SPD für Nationalpark” und die SPD-geführte Landesregierung hatte schon einen Grundsatzbeschluss pro Nationalpark gefasst. Da kann man mal gespannt sein, was der hiesige Landtagskandidat Jürgen Berghahn zu seinen Lemgoer Freunden sagt.

In der CDU ist es nicht besser. Das engagierte Plädoyer des ehemaligen CDU-Umweltministers Klaus Töpfer mit dem Appell an die christliche Verantwortung für künftige Generationen vor kurzem in Detmold juckt ebenso wenig wie die Bemühungen des CDU-Landrats Friedel Heuwinkel für einen lippischen Nationalpark.

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