Kleine Geschichten – große Erkenntnisse (für manche)

… nicht jedoch für Frau Merkel und andere “Experten”. Sie sagen: “Schulden kann man nicht mit Schulden bekämpfen”. Wirklich nicht? In einem Artikel von Robert Misik, einem anerkannten Wirtschaftsexperten, wird folgende kleine Geschichte erzählt:

“Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump. An diesem Tag fährt ein reicher deutscher Tourist durch die irische Stadt und hält bei einem kleinen Hotel. Er sagt dem Eigentümer, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen. Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel. Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden. Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern. Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager. Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte. Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt. Niemand produzierte etwas. Niemand verdiente etwas. Alle Beteiligten sind ihre Schulden los und schauen mit großem Optimismus in die Zukunft.”

Nur eine kleine Fabel, gewiss, aber sie zeigt: Man kann Schulden manchmal leichter mit Schulden bekämpfen, erst der Versuch, damit aufzuhören, reißt den Krater unter unseren Füßen auf. Es macht auch einen Unterschied, wer verschuldet ist. Wir haben das ja gesehen: Die Banken waren so überschuldet, dass sie praktisch alle zusammengebrochen und das Wirtschaftsystem kollabiert wäre. Die Staaten haben ihnen die Schulden abgenommen und so wurde das System gerettet. Manche Schuldner stoßen früher an die Grenze ihrer Kreditwürdigkeit, andere später. Das heißt nicht, dass man endlos die Schuldenstände erhöhen kann, aber es zeigt doch, dass der Satz auf die simple Art falsch ist: Man kann Schulden natürlich mit Schulden bekämpfen. Wenn alle gleichzeitig versuchen, die Schulden rasant abzubauen, dann kann ein fataler Kolbenreiber die Folge sein. Wird die Schuldentilgung in einen vernünftigen Zeithorizont vorgenommen, sodass die Rückzahlungskette nicht reißt, ist das meist viel vernünftiger.”

So weit Robert Misik. (Der gesamte Text findet sich hier.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s