Bayern München mit demokratischem Sozialismus?

Wer wollte bestreiten, dass es Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Fußballs und der Gesellschaft gibt? Es liegt auf der Hand, dass die Organisation dieses Massenphänomens eingebunden ist in unsere Welt des Kapitals mit der Vermarktung in den Massenmedien und allem, was dazu gehört: Begeisterung, Starkult, Menschenhandel, Bestechung, Korruption, Gewalt, all das findet sich auch in der Welt des Fußballs. Fußball kann und soll auch ablenken von den Sorgen des Alltags und den Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft. Manche bezeichnen das als “Opium für`s Volk”. Dennoch hat das Spiel für viele etwas Faszinierendes.

Wenn sich die Spielweise erfolgreicher Mannschaften erkennbar ändert, ist das ein Zeichen auch für Veränderungen in der Gesellschaft? Dieser Frage ist Professor Martin Gessmann in seinem Buch “Die Philosophie des Fußballs” (Verlag W.Fink) nachgegangen. Er beschreibt die Spielweise des FC Barcelona als die kunstvollste Entwicklung des Fußballspiels. Die Erfolge des FC Barcelona und auch die der spanischen Nationalmannschaft sprechen ja auch für sich.

Also, was ist das Besondere an dieser Spielweise? Auffällig ist das schnelle direkte Kurzpassspiel von Mann zu Mann in jeder Situation und an jedem Ort, sogar noch im gegnerischen Strafraum. Die durchschnittliche Verweildauer des Balles pro Spieler beträgt nur noch 0,9 Sekunden. Oft wird dies als Tiki-Taka-Stil bezeichnet. Die gegnerischen Spieler sollen möglichst gar nicht mehr an den Ball kommen. Körperliche Zweikämpfe werden vermieden. Exzellente Technik und Ballbehandlung aller sind Voraussetzung.

Es müssen sich immer mindestens zwei Spieler der eigenen Mannschaft zur Auswahl frei gelaufen haben. Alle sind deshalb in Bewegung, alle müssen geschickt räumlich vorausdenken können. Feste Positionen – Mittelstürmer u.ä. – passen nicht zu diesem Spiel. Je nach Situation wechseln Positionen und Aufgaben, jeder kann alles, nichts ist schematisiert, nichts kann vorausberechnet werden.

Eine solche Mannschaft braucht Spieler, die ihre eigenen Egoismen vergessen, die sich als gleichrangig anerkennen, die wechselnde Rollen einnehmen, intuitiv aufeinander eingehen können und jede Anforderung gemeinsam lösen. Wer so Fußball spielen will, muss früh – möglichst schon gemeinsam – mit der entsprechenden Ausbildung anfangen, auf jeden Fall Spaß an jahrelangem gemeinsamen Training haben und dabei seine Technik und Spielintelligenz immer weiter schulen.

Gleichrangigkeit und Solidarität, Kooperation und Intelligenz wurden in einer Sendung von WDR 5 mit Professor Gessmann als charakteristisch für diese Art des Fußballspielens beschrieben und mit der Gesellschaftsform des demokratischen Sozialismus in Verbindung gebracht.

Für diesen Fußball steht Pep Guardiola. Es ist kein Zufall, dass ein Großteil der Spieler des FC Barcelona schon als Jugendliche in der vereinseigenen Fußballschule zusammen trainierten – auch schon Lionel Messi. Und es ist kein Zufall, dass auch Lionel Messi ohne Iniesta oder Xavi und andere nur halb so gut wäre, wie er selbst immer wieder bescheiden betont.

Dieser Pep Guardiola wird nun Trainer des FC Bayern München. Da hat er sich ja einiges vorgenommen. Sein Partner im Geiste ist übrigens Jürgen Klopp – allerdings hat die Dortmunder Mannschaft bei dieser Art des Fußballspielens schon einen zeitlichen Vorsprung.

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