Lemgo: Eine Schule soll verkauft werden

Das ist der Kern des Problems. Es ist vor langen Zeiten lange dafür gekämpft worden, dass das Schulsystem öffentlich wird und demokratischer Planung und Kontrolle unterliegt. Vor allem für die SPD war das historisch immer eine ihrer Grundüberzeugungen. Das ist jetzt anders. Wenn die Stadt Geld sparen kann, werden eben Schulen verkauft. Etwas hinterlistig ist dies jedoch schon. Die Stadt muss zwar die Schule nicht finanzieren, aber das Land NRW zu über 90 Prozent. Was mit dem Geld geschieht, entscheidet die private evangelische Stiftung “Eben-Ezer”. Sieht so die Zukunftsverantwortung der SPD- und CDU-Abgeordneten aus?

Es werden von den Ratsfraktionen der SPD und CDU auch weitere – früher vertretene – Grundsätze über Bord geworfen. “Kurze Wege für kurze Beine” ist ein vernünftiger Slogan. Gerade Grundschulkinder sollten möglichst im Bereich ihrer Wohnumgebung zur Schule gehen können. Das ist nicht nur für sie vorteilhaft, sondern für den gesamten Stadtteil. Mit einer Schule und in einer Schule entstehen vielfältige Kontakte und Aktivitäten – die noch bestehende Ostschule hat dies durch ihr pädagogisches Konzept unter Beweis gestellt. Das kann auch mit einer Eben-Ezer-Schule geschehen – allerdings nach privat beschlossenern Schwerpunkten und Zielsetzungen. Warum wird das aktive Potential vieler junger Eltern nicht genutzt, um das bisherige Konzept auszubauen und den Stadtteil attraktiv zu machen?

Der angeblicher Rückgang der Kinderzahlen ist sowieso ein vorgeschobenes Argument. Die Zahlen bis 2020 zeigen zuverlässig, dass die Verbundgrundschule, zu der die Ostschule zusammen mit der Schlossparkschule in Brake gehört, keine Existenzprobleme hätte und die anderen Lemgoer Grundschulen ebenfalls nicht. Wenn jedoch tatsächlich die Eben-Ezer-Schule einen Teil der Kinder aufnimmt, sähe das für die Schlosssparkschule in Brake schon anders aus. Denn dann könnte bei wirklich sinkenden Anmeldezahlen in Brake die Dreizügigkeit und damit das breite pädagogische Angebot nicht gehalten werden.

Den beiden großen Ratsfraktionen von SPD und CDU geht es also bestimmt nicht um die Kinder, nicht um die Eltern im Lemgoer Osten oder in Brake, auch nicht um demokratisch verantwortete Stadtentwicklung, sondern um die kurzfristige Geldeinnahme für die Stadt. Dafür verschieben sie die Finanzierung an das Land und die inhaltliche Verantwortung an einen privaten Träger.

Sieht so demokratisch verpflichtete Kommunalpolitik aus? – Wohl kaum.

Aber ein Stopp ist möglich: Ein “Ja” zum Bürgerentscheid würde ein Sieg für die Kinder, den Stadtbezirk und die Demokratie in Lemgo sein.

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