Lemgoer Stadtrat gegen Fracking – trotzdem Irritationen

Im Lemgoer Stadtrat haben sich alle Fraktionen außer der FDP gegen Fracking-Erkundungsbohrungen auf Lemgoer Stadtgebiet ausgesprochen. Dieser breite Mehrheitsbeschluss wird jetzt der Genehmigungsbehörde für Mobil-Oil-Wünsche mitgeteilt. Die Verlängerung der Genehmigung wird von der zuständigen Bezirksregierung möglicherweise  nicht vollständig zu verweigern sein, aber die Interessenten müssen mit Protesten vor Ort rechnen. Das haben die in der Regel nicht so gerne. Für Verblüffung allerdings hat ein Beitrag in PANORAMA (NDR) gesorgt, in dem der Eindruck erweckt wurde, gegen Fracking könne ernsthaft nichts eingewendet werden – alles ungefährlich und Panikmache von den Kritikern, einschließlich des Bundesumweltamtes. Was ist da dran? Erinnern wir uns zunächst an die PANORAMA-Sendung, aus der drei Bilder und ihre Aussagen sicher hängengeblieben sind.

  1. Brennende Wasserhähne wegen chemisch verseuchten Trinkwassers haben mit Fracking nichts zu tun, sondern andere Ursachen.
  2. Ingenieure der Fördergesellschaft halten das eingesetzte chemische Gemisch für so ungefährlich, dass sie es aus Schnapsgläsern trinken.
  3. Die vom Bundesumweltamt behauptete Gefährlichkeit von Fracking steht in der zugrundegelegten wissenschaftlichen Studie nicht drin. Rätselhaft deshalb die eindeutige Ablehnung durch die Leiterin des Umweltbundesamtes.

Es lohnt sich, diese PANORAMA-Darstellung zu hinterfragen und zu überprüfen.

Die Stellungnahme des Umweltbundesamtes ist sehr aufschlussreich. Es betont zunächst einmal, dass die Einschätzung als Risikotechnologie nicht nur auf einem Gutachten (von PANORAMA allein zugrunde gelegt), sondern auf zweien beruht. Nur nebenbei gesagt, kann dem PANORAMA-Favoriten-Gutachten eine klare Interessenbindung an die Großindustrie vorgeworfen werden.

Wichtiger ist die Begründung des Umweltbundesamtes für seine Einschätzung der Risiken. Es weist darauf hin, dass es bisher in Deutschland keine Erfahrungen mit den Fracking-Überresten und -abfällen gebe. Also könne man auch keine Ungefährlichkeit der chemischen Substanzen behaupten. Das gelte insbesondere für die Behandlung des Flowbacks, der Spülungsflüssigkeit, die während des Bohrens und Frackens und kurz danach wieder oberirdisch austritt. Es heißt dort weiter: „Dieser Flowback enthält neben den zum Fracken verwendeten und eingebrachten Chemikalien weitere, zum Teil giftige Substanzen aus dem Untergrund, etwa Schwermetalle, aromatische Kohlenwasserstoffe oder örtlich sogar radioaktive Substanzen. In Deutschland wurde bisher kein Flowback aufbereitet und wieder eingesetzt. Noch immer ist die Verpressung von Flowback in den Untergrund der ausschließliche Entsorgungspfad. “

Sogar in PANORAMA finden wir also ein Beispiel für die vernachlässigte tiefergehende Recherche von Fernsehjournalisten. Immerhin, es ist möglich, sich selbst zum Nachfragen und Nachforschen herausgefordert zu fühlen. Das ist wichtig, weil die Bundesregierung in Kürze eine Gesetzentwurf präsentieren wird, um die Rahmenbedingungen für erlaubtes Fracking zu festzulegen. Da gilt es dann wieder genau hinzugucken. Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie.

Der Lemgoer Stadtrat hat das in seinem Beschluss deutlich gemacht.

Übrigens, wer nach reiflicher Prüfung und Überlegung den Denkprozess der Bundesregierung und insbesondere Wirtschaftsministers Gabriel unterstützen will, könnte dies in der Unterschriftenkampagne von CAMPACT machen. Hier zu der Fracking-Unterschriftenaktion.

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