Schwer erträglich: Griechenland-Verurteilung

Die sogenannte Berichterstattung bzw. Meinungsmache über die griechische Regierung ist deshalb nur schwer zu ertragen, weil sie eine offensichtlich erfolglose Politik des Kaputtsparens weiterhin als alternativlos hinstellt, den griechischen Ministerpräsidenten und seinen Finanzminister – immerhin ein international renommierter Wirtschaftswissenschaftler – wie bockige Kinder beschreibt und weil diese unreflektierte neoliberale Ideologie schon in sich unlogisch ist. Es ist eigentliche eine Zumutung an den Verstand eines jeden nachdenkenden Menschen. Es kommt aber eine weitere Unverschämtheit hinzu.

Nach den Zerstörungen des von Deutschland ausgegangenen Kriegs hatte Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ungeheure Schuldenberge. Bis Anfang der 50er Jahre konnten gerade mal die Trümmer beseitigt werden und mit dem Aufbau einer demokratischen Gesellschaft begonnen werden. Deutsche Politiker schienen immerhin aus den Verbrechen des 3. Reichs gelernt zu haben und entwickelten ein bis heute vorbildliches Grundgesetz.

Was geschah dann 1953? Es gab die „Londoner Schuldenkonferenz„, in der Deutschland ein großer Schuldenschnitt gewährt wurde. Übrigens gehörte Griechenland zu den Schuldenschnittbefürwortern. Gleichzeitig wurde der sog. „Marshallplan“ entwickelt. Das war ein vor allem von den Amerikanern gespeister Kreditfond für Europa, aus dem für den Aufbau der deutschen Wirtschaftsunternehmen extrem langfristige und niedrig zu verzinsende Kredite gegeben wurden. Diese ERP-Förderung war der vielleicht der wichtigste Grundstein für das später so genannte „deutsche Wirtschaftswunder“. In der Wiederaufbauzeit der 50er Jahre stiegen die Einkommen der Beschäftigten im übrigen auch so stark, dass durch diese Binnennachfrage das Wirtschaftswachstum zustande kam.

Die Parallelität der Probleme ist mit Händen zu greifen. Natürlich hätte jeder ausländische Politiker damals auch sagen können. Das Kriegsverbrecher-Deutschland muss die Schuldenberge zurückzahlen und wenn sie das nicht können, sollten wir es auf dem Niveau eines Agrarlandes halten. Dann ginge von Deutschland zukünftig keine Gefahr mehr aus. Diese Ideen gab es auch – von dem amerikanischen Finanzminister Morgenthau vorgetragen.

Vor diesem Hintergrund ist die Argumentation Schäubles und seiner Medien-Nachbeter gegenüber Griechenland auch eine moralische Unverschämtheit. Aber gegen Dummheit und Unverschämtheit ist in Politik und Medien scheinbar kein Kraut gewachsen.

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