Aktive Lipper gegen Atomkraftwerke

Dr. Angelika Claußen, von der Organisation “Ärzte gegen Atomgefahren”, machte deutlich, dass nur wenige Menschen nach radioaktiver Verstrahlung kontaminiert werden könnten und auch Jodtabletteneinnahme kein wirksamer Schutz vor Strahlenkrankheiten sein könne. Katatrophenschutzpläne könnten keinen Schutz bieten. Aus ärztlicher Sicht gäbe es nur eine Schlussfolgerung: Die Abschaltung der AKWs – so schnell wie möglich.

Jochen Stay, von der Kampagne “ausgestrahlt”, rief in einer leidenschaftlichen Rede dazu auf, die Gelegenheit der Bundestagswahl zu nutzen, um die sofortige Stilllegung der Kernkraftwerke zu fordern. Niemand könne sich mit AKW-Laufzeiten bis 2022 und länger zufrieden geben. Er kritisierte vor allem die GRÜNEN auf Bundesebene, dass sie die noch viel zu langen Laufzeiten der neun in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke akzeptieren wollten.

Die von lippischen Landwirten organisierte Veranstaltung wurde durch die Musik von Georg Rox (Piano), Gabriela Koch (Gesang), Klaus Latza ( japanische Taiko Trommel) und das „MEK Bochum“, die mobile Einsatzkapelle Bochum, so stimmungsvoll gestaltet, dass die vielen Demonstranten trotz der Kälte lange aushielten und in ihrem weiter notwendigem Protest bestärkt wurden.

Osterdemonstration vor dem Atomkraftwerk Grohnde

An den AKW-Standorten demonstrierten am zweiten Ostertag mehr als 100.000 Menschen. Allein in Grohnde waren es 15.000, die das Atomkraftwerk umzingelten. Sie forderten die sofortige Abschaltung der AKWs.

Beeindruckend der Konvoi von fast 100 Traktoren. Morgens um 6.30 Uhr waren zum Beispiel die Landwirte aus dem Kreis Göttingen aufgebrochen, am Abend vorher schon viele Traktoren aus der Umgebung von Gorleben. Landwirte aus Hameln, Lippe, Höxter und Minden waren dabei.

Die Sprecherinnen und Sprecher der zentralen Kundgebung vor dem AKW-Tor erinnerten an die Opfer der Katastrophen von Tschernobyl und Fukishima. Die Veranstaltung begann deshalb mit einer Schweigeminute.

Allein in Tschernobyl starben schon mehrere Hunderttausend Menschen, die direkt verstrahlt worden waren, und viele weitere werden folgen. In Japan sind vier Reaktoren beschädigt – die Folgen sind schrecklich und unabsehbar.

Auch Grohnde kann es treffen: Seit 1984 gab es dort nicht weniger als 221 offiziell gemeldete Störfälle. Einige Störfälle sind schon als erheblich eingestuft worden. Auch bei führenden Ingenieuren ist eine erhöhte Krebsrate aufgefallen. Alle wichtigen Informationen liefert eine BUND-Webseite.

Die Bielefelder Stadtwerke besitzen 16 Prozent der Anteile an Grohnde und 50 Prozent des Bielefelder Stroms werden dort produziert. Auch die Bielefelder müssen aus- und umsteigen: Weg vom Atomstrom, hin zu regenerativen Energien. Weg von den marktbeherrschenden Konzernen, hin zu dezentraler Energieerzeugung vor Ort durch die Stadtwerke.

Widerstand im Herbst

Die Bundesregierung macht sich zum Handlanger der Atomindustrie. Das darf nicht inwidersprochen hingenommen werden. Immer stärker werdender Protest soll die energiepolitische Wende einfordern. Die SPD gibt einen Überblick über die Protestaktionen des Herbstes. Jeder kann mitmachen – in welcher Form auch immer: durch Teilnahme an Demonstrationen, durch Unterschriftenaktionen und natürlich durch viele Gespräche mit Freunden und Bekannten. Hier ein Überblick über geplante Aktionen.