Erinnerung an Reichspogromnacht in Lemgo

Jedes Jahr am 9.November findet in Lemgo eine Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht von 1938 statt. Mehr als 1400 Synagogen gingen in dieser Nacht in Flammen auf, jüdisches Eigentum wurde zerstört, Menschen jüdischen Glaubens durch brutale Gewalt verletzt und gequält. Der staatliche Terror gegen diese Menschen begann und endete mit der Massenvernichtung von 6 Millionen Juden. Viele Deutsche waren als Beamte, Polizisten oder Soldaten am reibungslosen Ablauf dieser Maßnahmen beteiligt. Nicht wenige wurden zu Mördern.

Auch in Lemgo wurden Polizei und Feuerwehr angewiesen, nicht einzugreifen, wenn die Synagoge zerstört werden würde. Und der Terror begann auch hier. Mit dieser Geschichte befassen sich jedes Jahr Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen. Auch in diesem Jahr machten die Beiträge der Realschule, von EKG und MWG, des Beruskollegs von Eben-Ezer und natürlich der Karla-Raveh-Gesamtschule nachdenklich und betroffen.

Die Gedenkveranstaltung begann im Frenkelhaus, in einem Schweigemarsch ging es durch die Mittelstraße zur Synagogengedenkstätte in der Neuen Straße. Bürgermeister Dr. Austermann betonte die Notwendigkeit der Erinnerung. Ohne ein solches Geschichtsbewusstsein könne der demokratische Rechtsstaat nicht gesichert werden. Die Wurzeln des Grundgesetzes lägen in der Revolution von 1848 und nicht in der deutschen Diktatur, die Wurzeln der Bundeswehr in den Widerstandskämpfern und nicht in der Wehrmacht. Pastorin Maren Krüger stellte das Gebot der Nächstenliebe – jedem Menschen gegenüber – in den Mittelpunkt ihrer Gedenkpredigt.

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Lemgo: Schweigemarsch am 9.November

9.November 2010

Die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht beginnt in Lemgo traditionsgemäß im Hof des Frenkelhauses – das Haus, in dem auch Karla Raveh groß wurde, die Namensgeberin der Gesamtschule. An diesem Abend wurde daran erinnert, dass nahezu alle Familienmitglieder in den Konzentrationslagern umkamen. Ein langer Schweigemarsch bewegte sich anschließend durch die Mittelstraße zum Platz der ehemaligen Synagoge, die 1938 wie viele andere jüdische Gebäude in Flammen aufging. Viele Einwohner schauten damals zu, die Feuerwehr sollte laut Anweisung möglichst nicht eingreifen.

Bürgermeister Dr.Rainer Austermann appellierte an die Notwendigkeit, immer und jederzeit für die Menschenrechte aller Menschen, unabhängig von Herkunft oder Religionszugehörigkeit, einzutreten. Recht und Freiheit für alle Menschen seien die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens. Integrationsdebatten seien aktuell berechtigt, vielleicht notwendig, doch niemals wieder dürften Gentheorien zur Ausgrenzung von Menschen führen. Er warnte vor den immer noch aktuellen Gefahren.

Schülergruppen verschiedener Schulen trugen Texte zur Erinnerung an die hemmungslose Vernichtung von Menschen vor, aber auch Hoffnungen ausdrückende Texte verfolgter und gequälter jüdischer Mitmenschen.

SchülerInnen der Karla-Raveh-Gesamtschule hatten an der Gedenkstätte als Zeichen der Erinnerung einen Davidsstern aus Steinen zusammengelegt und schmückten ihn mit Kerzen und weißen Rosen. (Foto oben)

Reichspogromnacht 1938 – Ausstellung in Lemgo

Am 16. Januar 2010 um 18:00 Uhr eröffnet Annette Paschke-Lehmann, Geschäftsbereich Kultur, im Städtischen Museum Lemgo die von ostwestfälisch-lippischen Archiven erarbeitete Wanderausstellung „9.11.1938 – Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe„. Dr. Anikó Szabó, Stadtarchiv Lemgo, führt in die Ausstellung ein und berichtet von den Ereignissen in Lemgo.
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Die Ausstellung ist anschließend vom 17. Januar bis 14. Februar 2010, dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr im Städtischen Museum, Breite Straße 17-19, zu sehen.

9. November: Wo ist Gott?

Gedenkfeier 9. November 2009 an der ehemaligen SynagogeEine große Trauergemeinde war am 9. November in Lemgo zusammengekommen, zunächst im Hof des Frenkel-Hauses, schweigend ging es dann durch die Stadt zur ehemaligen Synagoge. Viele trauern am Tag der Reichspogromnacht um die jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen, die vor aller Augen gequält, gefoltert und getötet wurden und in den Folgejahren Opfer des systematischen Völkermords wurden. Am 9. November 1938 wurde der Terror von der Staatsmacht angeordnet, Polizei und Feuerwehr angewiesen, nur einzugreifen, wenn nichtjüdisches Eigentum gefährdet sei. “So geschah es – auch in Lemgo”, sprach Bürgermeister Dr. Rainer Austermann in die beklemmende Stille.

Schülerinnen und Schüler der Lemgoer Schulen stellten ihre oft fassungslosen Fragen, zeigten ihren Willen, für Menschlichkeit und Freiheit einzustehen. Pastorin Maren Krüger und ihre Schülergruppe des MWG erinnerte daran, dass das Gebot der Nächstenliebe für alle Menschen gelte, auch für vermeintliche Feinde  – es gelte bedingungslos.

Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule zählten die vielen Familienmitglieder von Carla Raveh auf , die in Konzentrationslagern umgebracht worden waren, und stellten ihre Fürbittkerzen an der Gedenktafel der Synagoge auf. Sie waren es, die aus eigener Erfahrung Hoffnung machen konnten. Sie berichteten von dem Schüleraustausch mit jungen Israelis.

Allen Teilnehmern wird sicher der Bericht des Literaturnobelpreisträgers Eli Wiesel vor Augen bleiben, der die Unmenschlichkeit desTerrorregimes bei der Hinrichtung eines Jungen schildert. “Wo ist Gott?”, fragen die Insassen des Konzentrationslagers. “Dort hängt er”, antwortet ein anderer Gefangener.

Steine des Anstoßes in Lemgo